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Wohin gehen wir? Ausstellung im Rathaus Wiesloch


Rhein-Neckar-Zeitung, 26. September 2016


Die WieWo schreibt in der gleichen Woche:

Wiesloch - 27.09.2016. Der erste Eindruck bei der Vernissage ist eine gewisse Uniformität des Gezeigten. Aber das Auge findet sich sehr schnell in den in Acryl und Mischfarben dargestellten  vertrauten Motiven und Strukturen von Meeresoberflächen und Gipfelregionen zurecht. Irgendwelche Exotik greift nicht Raum. Bürgermeister Ludwig Sauer, der die sehr zahlreich erschienenen Gäste begrüßte, hob auf die zentrale Frage ab „Wohin gehen wir?“
Sind unsere so ewig fest erscheinenden weiträumig strukturierten Eis- oder Felsengebirgsflächen bedroht? Gewöhnlich ahnen Literaten sowie bildende Künstlerinnen und Künstler als Erste die sich anbahnenden Veränderungen. Hören wir auszugsweise, was Friedrich E. Becht  bei der Vernissage in seinem rhetorisch wie inhaltlich brillanten Essay dazu beitrug: Von Sabine Schreier hatte er schon bei früheren Gesprächen erfahren, dass das Thema „Endlichkeit der Ressourcen unserer Erde“ für sie eine immer größere Rolle spielt. Diese Sensibilität geht einher mit ihrer Liebe zum Meer und den Küstenlandschaften, die sie bedroht sieht. Das notwendige Handwerkszeug, dies künstlerisch zu artikulieren, erwarb sie im Rahmen einer umfassenden Ausbildung, deren  Stationen der Fotokünstler Friedrich Becht kurz beschrieb, ebenso ihre Vernetzung als Künstlerin u. a. als Mitglied der GEDOK Heidelberg.
Entwicklungsstufen

Er sieht in ihr auch die Suchende, die zielgerichtet schöpferisch Arbeitende. Dies wiederum involviert  Kenntnisse vom Ablauf der menschlichen Wahrnehmung. In Sabine Schreiers Arbeiten erkennt er einen Gleichklang von  Ästhetik, Botschaft und Originalität. Da die Ausstellung eine fast komplette Werkschau darstellt, werden in ihr auch Entwicklungsstufen erkennbar. Sehr schnell erkennen der Autor und die übrigen Betrachter, dass bei den Meeresbildern jegliche Idylle fehlt. Man sieht  (abgesehen von den „Nachtanglern“ und - vom Verf. ergänzt - dem Bild von den „blutigen Schlachten“) nichts von Belang. Wo liegt also der Punkt des höchsten Interesses für die Betrachter? Friedrich Becht entnimmt aus den Bildern die Botschaft des Innehaltens, des gewahr Werdens, des sich Findens, des in sich Ruhens. Der gewohnten Suche nach Neuem, Überraschendem, nach Ultimativem verweigert sich die Ausstellung. Hiermit korrespondiert, dass die Künstlerin nicht ein „sich gehen Lassen“ vertritt, wie es von anderen sattsam bekannt ist, sondern „ein sich darauf Einlassen“.
Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Dazu aber gehören Mut und Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und die Gabe, auf die innere Stimme zu hören. In ihren jüngeren Bildern geht die Künstlerin einen Schritt weiter. Sie legt ihre Finger in die schwelenden Wunden unserer Welt. Sie zeigt u. a. Landschaften, die keine mehr sind. Das Anspülgut am Meeresrand mag sie dazu animiert haben. Sie verwandelt es in Asche und versucht, mit den Brandresten künstlerisch zu arbeiten (Asche zu Asche I). Dabei entstehen keine Kollagen. Vielmehr verschmelzen malfremde Stoffe und herkömmliche Malmittel organisch miteinander und erzeugen eine morbide Schönheit. Gleichzeitig sind sie Ausdruck eines Protests. Soweit Bechts Interpretationen. Zum Schluss wünschte Friedrich Becht dem Publikum neben der Freude am Entschlüsseln der Arbeiten auch  den Mut, scheinbar Unzusammenhängendes auf sich beruhen zu lassen. Ergänzend hinweisen lässt sich u. a. auf Titel wie „Aus dem Leben in ein anderes Leben“, „Terremoto II“,  „blaues Land“ und „schwarzes Land“, und schließlich das ungewohnte, ja fast bedrohliche  „dunkel.bunt“ bzw. „Bild ohne Titel“. Sie sind Belege für den  dahinterstehenden künstlerischen Aussagewillen. Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung mit erlesener Musik auf der zehnseitigen Gitarre vom Leiter der Musikschule Lampertheim, Joachim Sum.
Öffnungszeiten der Ausstellung im Rathaus: Mo, Di 7-16.30 Uhr, Mi, Do 7 -18 Uhr, Fr. 7-13 Uhr; Ende: 20.10.2016

kob

  • Vernissage-4990
  • Vernissage-4994
  • Friedrich E. Becht spricht die Einführung
    Friedrich E. Becht spricht die Einführung
  • Friedrich E. Becht, Sabine Schreier, Joachim Sum
    Friedrich E. Becht, Sabine Schreier, Joachim Sum
  • Vernissage-4989
  • Joachim Sum an der 10saitigen Gitarre
    Joachim Sum an der 10saitigen Gitarre